Anfang März 2019 wurde ich mit Vorwürfen betreffend Falschgeld (unten Ziff. 1) und Kokain (Ziff. 2) konfrontiert. Ich vereinbarte deshalb mit meiner Partei, einen Monat Auszeit zu nehmen. Aufgrund der vehementen Kritik liess ich natürlich einen Drogentest und medizinische Abklärungen durchführen. Die Frage der gesundheitlichen Schwierigkeiten war rasch geklärt; ich nahm die Arbeit wieder normal auf (Ziff. 3). Zum Glück hatte ich in meinem Leben nur zweimal mit gesundheitlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, als ich äusserst massiv bedroht wurde (Ziff. 4).

 

1. Falschgeld-Vorwürfe: Verfahren von der Bundesanwalt gar nicht an die Hand genommen

Die Falschgeld-Vorwürfe waren völlig deplatziert. Der Sohn einer Bekannten von mir hatte im Zusammenhang mit Krypto-Währungen eine grosse Zahlung in bar erhalten. Das Geld erwies sich als gefälscht. Um ihm zu helfen, fuhr ich kurzfristig nach Mailand. Es blieb uns nichts anderes übrig, als das Falschgeld mit in die Schweiz zu nehmen, wo ich den Koffer mit den "Blüten" zur Bundesanwaltschaft brachte, die für Falschmünzerei zuständig ist.

Die Bundesanwaltschaft stellte richtigerweise fest, dass es sich nur dann um ein Delikt handelt, wenn jemand Falschgeld importiert, um dieses in der Schweiz in Umlauf zu bringen (vgl. die eindeutige Formulierung von Artikel 284 des Strafgesetzbuchs). In meinem Fall war keine Strafbarkeit gegeben. Der Fall lag so klar, dass die Bundesanwaltschaft nicht einmal ein Verfahren an die Hand nahm.

 

2. Ein Gramm Kokain, Verfahren eingestellt

Leider verbreitet sich die offene Drogenszene an gewissen Orten in der Schweiz wieder (betr. Luzern siehe z.B. https://www.20min.ch/schweiz/zentralschweiz/story/-Sie-dealen-und-nehmen-Drogen-vor-den-Kindern--19868089 ).

Anfangs März erwarb ich - weil mich der zunehmende Verkauf von harten Drogen in der Nähe des Bundeshauses schockierte - mit einem "Lockvogel-Kauf" ein Gramm Kokain, welches ich in der Folge der Polizei übergab. Meine Absicht war, die Öffentlichkeit auf den gravierenden Missstand mitten in Bern aufmerksam zu machen.

Jeder, der mich kennt, weiss, dass ich mit Sicherheit nichts mit Drogen zu tun habe und nie solche konsumiere; ich trinke nichz einmal Alkohol. Ich argumentierte gegenüber der Polizei, ich hätte gehofft, mit der Aktion eine gewisse öffentliche Diskussion auszulösen, die mithilft, die Missstände zu beseitigen. In einem sehr ähnlich gelagerten Fall sei auch das Bundesgericht zum Schluss gekommen, dass ein offensichtlicher "Lockvogel-Kauf" nicht strafbar sei (Bundesgerichtsentscheid 6B_1111/2016, 6B_1179/2916; Fall Stauffer).

Die zuständige Staatsanwaltschaft Bern sah die Dinge ebenfalls so. Sie musste zwar nach Vorliegen des Polizei-Rapports eine Untersuchung eröffnen, hat den Fall in der Folge aber ohne weiteres eingestellt, also definitiv erledigt.

 

3. Unfaire Angriffe in Sachen Gesundheit

Die Reaktionen in den Medien waren viel heftiger, als ich erwartet hätte, viele erfolgten wider besseres Wissen; nicht nur betreffend Falschgeld und Kokain. Auch bezüglich angeblichen gesundheitlichen Schwierigkeiten wurden Gerüchte in die Welt gesetzt.

Zum Glück geht es mir gesundheitlich sehr gut. Ich darf mich sehr glücklich schätzen, dass ich seit der Wahl in den Nationalrat 1991 bis im März 2019 an keinem einzigen Sessionstag fehlte. 

Interessant ist, dass Personen, welche nun meine kurzen Auszeiten aufbauschten, mich nie nach deren Gründen gefragt haben. Sie haben ihren Ursprung in den schweren Drohungen, denen ich in der Vergangenheit leider wiederholt ausgesetzt war und aufgrund derer ich aus meiner Optik gezwungen war, für kurze Zeit "abzutauchen".

 

4. Schwerste Attacken

Zum Glück sind Angriffe auf Politiker / Staatsanwälte / Richter in der Schweiz ausserordentlich selten. Ich kenne nur drei Fälle, bei denen es zu vergleichbaren Attacken gekommen ist, wie sie gegenüber mir erfolgt sind. Die extremsten mir gegenüber - neben einem nicht mit Fotos dokumentierten Angriff mit einem Baseball Schläger mit resultierendem Rippenbruch - waren der Brandanschlag auf mein Büro und der Blutanschlag auf unsere Terrasse.

Im ersten Fall, der allerdings sehr lange zurück liegt, wurde ein Molotow-Cocktail in mein Büro / meine Wohnung geschleudert, wobei es pures Glück war, dass niemand von der Familie zu Schaden kam. Das Büro brannte aus, meine Familie musste die Wohnung  (um 02:00 Uhr morgens) auf dramatische Weise fluchtartig verlassen.

Foto des ausgebrannten Büros

Der zweite extreme Fall ereignete sich kürzlich: Auf unsere Terrasse wurde Blut gespritzt. Die Polizei stellte fest, dass es sich nicht um echtes, sondern um synthetisches Blut handelte. Mit anderen Worten handelte es sich also um eine Warnung, ich müsse mit dem Schlimmsten rechnen . Wenn ich mich unter diesen Umständen bedroht sah und mich für einen Monat völlig zurückgezogen habe, um mich zu schützen, kann man das durchaus als "aus gesundheitlichen Gründen" bezeichnen.

https://www.telem1.ch/aktuell/blutanschlag-auf-luzi-stamm-133302468

Foto von Blut auf der Terrasse

Psyhisch sind solche Situationen sind für mich (und meine Familie) ausserordentlich belastend. Die Polizei hat in beiden Fällen grossartig reagiert; mir wurde geholfen, sofort „abzutauchen“. Ich weiss, wie und wo man bei schweren Drohungen Hilfe erhält. Für heikle Gerichtsverhandlungen erhielt ich Polizeischutz.

Als Rechtsanwalt habe ich amtliche Verteidigungen übernommen, bei denen gefährliche Gegenparteien involviert sind, bei denen ich Landesverweisung gefordert habe. Es könnte also sein, dass den Attacken eine Mischung zwischen meiner beruflichen Tätigkeit und der Politik zu Grunde liegt (Befürworter der unbedingten Landesverweisung). Natürlich habe ich der Polizei angegeben, wen ich bei den Attacken als mögliche(n) Täter sehe.