Beitrag März: Gedanken zur Corona-Krise

 

Die Gefährlichkeit von Corona ist heute noch schwer abzuschätzen. Der Vergleich mit der Grippe hinkt. Noch nie wurden unsere Intensivstationen derart mit Patienten mit identischem Krankheitsbild belegt. Noch nie wurde Gesundheits-Personal so oft vom selben Virus angesteckt. Und vergessen wir nicht: Gegen das ähnliche Sars-Virus 2002 konnte in der Folge nie ein Impfstoff entwickelt werden. Niemand weiss, wie lange es dauert, bis wir einen solchen bei SARS-CoV-2 (= Corona) haben.

Jedenfalls machen sich unsere Bürgerinnen und Bürger Sorgen. Noch nie habe ich so viele E-Mails erhalten wie zu diesem Thema. Auch wenn das Krisen-Management des Bundes als sehr positiv dargestellt wird, sehe ich in den zugeschickten Mails viel Kritik. Noch harmlos ist dabei die Kritik, weshalb Gartencenter geschlos­sen bleiben müssen und tonnenweise Blumen vernichtet werden, obwohl nun Hunderttausende zu Hause sitzen und Zeit hätten, ihre Gärten zu bepflanzen…

 

1. Grenzen offen lassen?

Schon im Februar erhielt ich ein ausserordentlich aggressives Mal aus dem Tessin: „Meine Mutter liegt im Pflegeheim im Tessin, wo weiterhin Grenzgänger aus Bergamo, Mailand etc. arbeiten? Es sollte nur zwei Möglichkeiten geben: Grenzgänger aus Italien, die getestet wur­den, können hier arbeiten, solange sie im Tessin übernachten; alle anderen sollten durch Zivilschützer ersetzt werden. Wir hätten doch genug Zivilschützer, die z.B. in der Küche etc.  helfen könnten. Das Pflegepersonal hat nicht einmal Schutzmasken und trägt den Virus von Zimmer zu Zimmer; ausgerechnet bei der Gruppe mit der höchsten Mortalitätsrate.

Genau einen Monat später (am 29. März) erhielt ich das folgende Mail: „In welchem Land leben wir eigentlich? Es waren die Österreicher, welche die Grenze zur Schweiz geschlos­sen haben und nun war es heute die italienische Regierung, welche die SBB gestoppt hat. Noch immer aber kommen Zehntausende von Grenzgängern in die Schweiz. Keine Grenz­schliessung, keine Infrarot-Temperatur-Messgeräte, wie sie in Länder wie Singapur, Taiwan, Hongkong oder China längst erfolgreich eingesetzt werden, keine Quarantäne.

Mein Kommentar:

In der Tat verhielt / verhält sich kaum ein Land so „grosszügig“ wie die Schweiz. Ein mir bekannter Arzt sagte soeben: Keine der im fernen Osten ergriffenen Massnahmen werden hier angewendet! Ich konnte am Flughafen ohne jegliche Kontrolle aus dem Flugzeug / Flughafen spazieren. Zudem: Ein Viertel der Corona-Opfer im Tessin sind Alters- und Pflegeheim-Insassen…

 

2. Masken / Desinfektionsmittel

Nach dem ersten Anstieg der Corona-Zahlen meldete sich ein Schweizer aus Spanien: Spanien tut alles Mögliche, um die Ausbreitung zu verhindern. Vor dem Eingang der Einkaufszentren steht Personal und man achtet darauf, dass die Hände desinfiziert werden und Plastikhandschuhe angelegt werden und auch der Abstand an den Kassen eingehalten wird. Auch das gesamte Personal trägt Masken. Im fernen Osten ist dies in Ländern wie Taiwan und Südkorea längst der Fall. Wenn uns die Behörden in der Schweiz weismachen wollen, Masken würden nichts bringen, so ist das absurd.

 Ein aus Serbien stammender Basler schrieb: „Es ist traurig, dass die reiche Schweiz nicht einmal 10 Millionen Atemschutzmasken hat, Serbien aber 50 Millionen. Serbien liess Masken aus China einfliegen und produziert seit Tag 1 Masken und Desinfektionsmittel in eigenen Fabriken auf Hochtouren! Sogar Gefängnisse und ihre Insassen müssen Masken herstellen. Vor jedem Lebensmittelgeschäft werden Einweghandschuhe und Masken verteilt. Wenn ein Land wie Serbien sowas kann, warum kann das die Schweiz dann nicht auch?“

 

Mein Kommentar:

Die Widersprüchlichkeit der Orientierung bezüglich Masken ist in der Tat irritierend. Das gilt auch für Desinfektionsmittel. Corona-Viren können mehrere Tage auf Metall, Plastik und Glas überleben, mit 62%ig- bis 71%igem Ethanol können sie wirksam abgetötet werden. Der bekannte Schweizer Virologe Dr. Paul Robert Vogt schreibt dazu: „Natürlich konnte man das richtige Desinfektionsmittel nicht empfehlen: der Bürger hätte gemerkt, dass gar nicht genug davon vorhanden ist, weil das Pandemie-Lager vom Bund 2018 aufgelöst worden ist.“

 

  1. Zahlenchaos bei den Tests

Ein erstes Mail: „Ich verstehe den Zahlensalat einfach nicht. In Zeiten der Digitali­sie­rung sollte es doch möglich sein, dass das Bundesamt für Gesundheit eine Datenbank einrichtet, in die alle Statistikämter der Kantone zu einer bestimmten Tageszeit Daten eintragen müssen, die veröffentlicht werden könnten. Logischerweise ist die Aussage über die Zahl der Infizierten nichts wert, wenn man nicht weiss, wie viele Menschen getestet wurden.“

Ein zweites Mail: „Zuerst heisst es, wir hätten nicht genügend Tests für alle. Dann hiess es, Roche hätte nun einen Test erfunden, der Tausende von Tests pro Tag erlaubt. Dann sagte Bern, die Tests würden hochgefahren. Drei Wochen später meldet SF-DRS, in den letzten 30 Tagen seien die Tests pro Tag tendenziell gesunken. Bundesbern soll endlich flächen­deckend testen. Lasst Busse ausrüsten, mit Personal (Armee), welches in den Städten und Gemeinden zirkulieren und gebt allen die Möglichkeit, sich testen zu lassen. Zu Hause bleiben und testen sind Vorstufe zum Erfolg.“

Mein Kommentar:

Die Weltgesundheits-Organisation WHO hat von allem Anfang an propagiert: „Testen, testen, testen ist der sicherste Weg, eine Pandemie in den Griff zu bekommen.“ Wie harzig es diesbezüglich in der Schweiz lief, sei abschliessend an drei Beispielen aufgezeigt (hier seien die Namen derjenigen genannt, welche die Meldungen verfassten:

 

Tommy Müller aus Zürich (am 28.3.2020):

„Ich arbeite in Zürich im Krankenhaus. Glauben Sie mir: Es wird weniger getestet, als gesagt wird. Nur wer intensiv betreut werden muss, wird getestet. Der Rest wird oft einfach nach Hause geschickt mit einem Asthma-Spray und der Bitte zu Hause zu bleiben. Man könnte meinen, die Schweiz sei ein Drittwelt-Land.“

 

Die 32-jährige Alexandra Moreno aus Lausanne (gegenüber «Le Matin»):

„Am 17.3. begann der Husten. Ich dachte, ich hätte eine Katze verschluckt. Unmittelbar danach setzten Kopfschmerzen ein. (…) Rund 40 Minuten später setzten Fieberschübe ein. Ich schwitzte und glaubte, zu ersticken. Das Atmen fiel immer schwerer.

Schliesslich rief ich bei der Corona-Hotline an. Ich wurde mit sechs verschiedenen Leuten verbunden und schliesslich gebeten, ins Universitätsspital Lausanne zu kommen. Ich setzte mich in ein Taxi, wurde im Spital aber angesichts meines Alters und des Fehlens von Vorerkrankungen als nicht gefährdete Person eingestuft und deshalb erst gar nicht getestet. Ich war geschockt. Ich habe darauf bestanden, dass man bei mir aber die Temperatur und den Blutdruck messe. Mit den Worten, dass es wie eine Grippe vergehen würde und in ein paar Tagen ausgestanden sei, wurde ich nach Hause geschickt.

Am nächsten Nachmittag begannen meine Lungen zu brennen. Es war, als würde ich in einem heissen Ofen atmen. Mein Herz raste und schmerzte. Ich dachte, ich bekomme einen Herzinfarkt. Ich rief wieder bei der Hotline an. Wieder setzte ich mich in ein Taxi. Am 26. März, nach einem 10-tägigen Kampf, wurde endlich eine Blutuntersuchung gemacht. Vier Tage später hatte ich Gewissheit: Das Resultat fiel positiv aus.“

 

Und schliesslich der bereits oben erwähnte Virologe Dr. Paul Robert Vogt:

„Usbekistan hat schon im Dezember 2019 ihre 82 Studenten aus Wuhan zurückbeordert und alle in Quarantäne gesteckt. Von Usbekistan aus wurde die Schweiz gewarnt: Parla­mentarier, Bundesrat, das Bundesamt für Gesundheit, Medienvertreter. Mit einem 85-Milliarden-Budget beim Gesundheitswesen hat es die Schweiz - was die Anzahl Corona-Patienten pro 1 Million Einwohner betrifft – weltweit auf Rang 2 geschafft. Was für eine Schande! Selbst grundlegendes und billiges Material fehlt in der Schweiz, auch wenn die Weltgesundheitsorganisation bereits am 31.12.2019 die Pandemie Corona meldete und sogar Usbekistan sofort reagiert hat."


Fazit: Die Schweiz sollte aus der Corona Krise die Lehren ziehen, damit sie für eine nächste Pandemie besser vorbereitet ist.